Verhaltenstherapie ist Psychotherapie.
Die Verhaltenstherapie (VT) geht grundsätzlich davon aus, daß Verhalten, Gefühle, Körperreaktionen und Gedanken oder Einstellungen zum großen Teil gelernt sind und in vielen Fällen ein Umlernen durch Organisation neuer Erfahrungen möglich ist.
Die VT ist eine wissenschaftlich anerkannte und fundierte psychotherapeutische Methode, die offen ist für alle neuen wissenschaftlich überprüften Methoden, die sich zur Behandlung von psychischen oder psychosomatischen Störungen bewährt haben.
In den theoretischen Hintergrund werden stetig neue Erkenntnisse aus der psychologischen und medizinischen Wissenschaft integriert.
Im Folgenden wird erläutert, wie eine psychotherapeutische Behandlung unter verhaltenstherapeutischen Gesichtspunkten durchgeführt wird:
Diagnostik
In der VT findet zuerst eine ausführliche Diagnostik statt (lebensgeschichtliche Anamnese, Verhaltensanalyse, psychologische Tests etc.), die sich ungefähr über die ersten 5 Stunden erstreckt und die Aufstellung von Hypothesen über die Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptomatik beinhaltet.
Es werden machbare Ziele erarbeitet, die am Ende der Therapie erreicht werden sollten.
1. Behandlungsphase
Der 1. Teil der Behandlung ist darauf ausgerichtet, beim Patienten ein Verständnis für die Ursachen und die Zusammenhänge, unter denen die Symptomatik auftritt, zu entwickeln. Die Ursachen werden in Gesprächen über die Lebens- und Familiengeschichte und die persönliche Entwicklung deutlich. Weitere Zusammenhänge werden aus Gesprächen über die aktuelle Lebenssituation und den Bedingungen, die die Störung gegenwärtig aufrechterhalten, abgeleitet.
Dabei ist auch wichtig zu beachten, welchen „Nutzen“ und welche Bedeutung die Symptome für den Patienten psychisch und zwischenmenschlich haben. Sollte nämlich der „Nutzen“ größer sein als der Wunsch nach Veränderung, könnte dies einen Erfolg der therapeutischen Bemühungen gefährden.
Gleichzeitig findet in den ersten 5-10 Sitzungen ein Beziehungsaufbau zwischen Therapeut und Patient statt, auf den auch in der VT sehr viel Wert gelegt wird, soll die Therapie - vor allem in der späteren Veränderungsphase - gelingen.
2. Behandlungsphase
Der zweite Teil, der sich oft mit dem ersten überschneidet, ist, daß die Patienten ihre Symptomatik genauer beobachten, hier das Problem oder die Symptomatik auf 4 Ebenen zu differenzieren lernen:
körperliche Vorgänge (z.B. Herzrasen, Schwitzen)
Gefühle (z.B. Angst, Ärger)
Gedanken (z.B. „ich bin ein Versager“)
Verhalten (z.B. sich zu Hause verkriechen)
Diese vier Ebenen bedingen einander und es ist wichtig, die Ebenen zu finden, auf denen sich Veränderungen am sinnvollsten durchführen lassen.
Weiterhin sollen die Patienten in der zweiten Phase lernen, Auslöser der Symptomatik zu erkennen, um später andere Reaktionsmöglichkeiten zu entwickeln oder die Situation aktiv zu verändern.
Meist ist es auch unerlässlich, die Bedeutung von Einstellungsmustern (z.B. es allen Recht machen wollen) aus der Lebens- u. Familiengeschichte verständlich zu machen und die Bedeutung einer Veränderung herauszuarbeiten.
3. Behandlungsphase
Typisch für die VT ist die Veränderungsphase, in der die Patienten angeleitet werden, auch tatsächlich etwas anderes auszuprobieren, neue Erfahrungen zu machen, z.B. durch ein neues Verhalten, andere Kommunikationsformen oder andere Gedanken/Einstellungen, mit denen sie ihre Symptomatik besser kontrollieren können.
Die VT bietet dafür viele Methoden an, die von Entspannungsverfahren, über gedankliche und gefühlsmäßige Neubewertung, Selbstsicherheits- und Angstbewältigungstrainings bis hin zur Trauerarbeit reichen (was natürlich von der Symptomatik abhängt).
In der Veränderungsphase wird vom Patienten eine aktive Mitarbeit verlangt. Das Ziel ist, daß er über die anfänglichen Einsichten und späteren Bewältigungsmethoden seine Probleme selbst zu „managen“ lernt, so daß der Therapeut nach und nach „überflüssig“ wird.
In der Therapie wird darauf geachtet, daß dem Patienten alle Schritte durchsichtig und verständlich erscheinen. Er ist derjenige, der sich selbstbestimmt für einzelne Schritte der Veränderung entscheidet.
Im Anschluß an die Veränderungsphase wird das neu gelernte Verhalten, die neuen Erlebensweisen und die Problembewältigungsmethoden weiter gefestigt und stabilisiert, so daß der Patient im Falle eines „Rückfalls“, der nie auszuschließen ist, diesen selbst bewältigen kann.
Die Therapien dauern in der Regel 15 bis 45 Wochen, bei einer Stunde in der Woche. Bei umfangreicheren und schon länger bestehenden Problematiken kann sich die Therapie auch auf 60-80 Stunden verlängern.
Des öfteren werden sog. Übungsbehandlungen mit einer Dauer von 3-6 Stdn. dazwischengeschaltet (z.B. bei der Angstbewältigung), so daß manchmal ein ganzer „Therapietag“ stattfindet.
Grenzen der VT
Die VT kann keine neue Persönlichkeit aus einem Menschen machen oder über schnelle „Tricks“ oder Ratschläge das Problem „wie von selbst“ verschwinden lassen, wie vielfach erwartet wird. Vielmehr hängt der Erfolg einer Therapie auch von der aktiven Mitarbeit und Motivation des Patienten ab. Wichtig sind hierbei kleine Schritte und häufige Erfolgserlebnisse, vor allem solche, die der Patient - unter Anleitung - weitgehend selbst organisiert.
Störungsbilder
Ich behandle schwerpunktmäßig folgende Probleme und Störungsbilder mit psychologischen Methoden:
- Ängste
- Zwangserkrankungen (Gedanken- u. Hand-
lungszwänge)
- Affektive Störungen (z.B. Depressionen)
- Psychosomatische Erkrankungen in enger
Zusammenarbeit mit anderen Therapeuten
u. Ärzten
hier insbesondere:
- Eßstörungen
- sexuelle Funktionsstörungen
- Schlafstörungen
- somatoforme Störungen
- Kopf- und Rückenschmerzen
Spezialgebiete sind:
- Behandlung von Prüfungsängsten
- Stressbewältigung
- Vermittlung von Entspannungsverfahren: progressive Muskelrelaxation
- Anwendung hypnotherapeutischer Verfahren